Hauptmann Dr. Rudolf Paul Böhm

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Rudolf Böhm
Image : WStLA

Données personnelles

Né:

5 mai 1889, Miskolcz

Décédé:

22 mai 1978, Wien

Profession:

Geologe

Persécution:

Haft 09.06.1943 - 06.04.1945

Adhésions

Parti populaire autrichien, ÖVP Camaraderie des persécutés politiques et des confesseurs pour l'Autrich

Curriculum Vitae

Rudolf Paul Böhm wird in Miskolcz in Ungarn als ehelicher Sohn des gleichnamigen technischen Rechnungsführers Rudolf Böhm und Rosa Ohmeyer geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums wechselt er an die kuk Militärakademie in Wiener Neustadt, wo er im Jahre 1911 als Leutnant ausgemustert und dem Infanterieregiment Nr. 39 in Debreczin [ung. Debrecen] zugeteilt wird. Er nimmt im I. Weltkrieg an der österreich-ungarisch russischen Front teil und wird 1917 schließlich zum Hauptmann und Mitarbeiter im Generalstab befördert.

Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns und der Zerschlagung durch die Siegermächte, kehrt Rudolf Böhm als Kaufmann in Wien und Budapest zurück, kann aber nicht wirklich Fuß fassen. 1922 wandert er in die Schweiz aus, wo er bis 1931 beschäftigt ist; seine Wohnung in Wien behält er. 1931 übersiedelt er nach Paris in Frankreich, wo er neben seiner Arbeit an den Universitäten in Paris und Montpellier Geologie studiert und darin schließlich promoviert. Danach ist er als Geologe beruflich tätig.

Mit der Okkupation Österreichs am 12. März 1938 wird der in Frankreich lebende Rudolf Böhm deutscher Staatsbürger. Damit kann er sich nicht anfreunden, zumal er sich nicht mit Deutschland identifizieren kann. Daher beantragt er kurz nach dem Untergang Österreichs die französische Staatsbürgerschaft, die ihm jedoch nicht gewährt wird. Als erfahrener Generalstabsoffizier bietet er sich dem dem Zweiten Büro des französischen Generalstabs zur Mitarbeit an. Als Kontaktmann dient Hauptmann Jaques Hartmann vom Generalstab.

[…] Ich würde vielleicht Gelegenheit haben, mich in militärischen Angelegenheiten nützlich zu machen als ehemaliger Generalstabsoffizier. Ich hätte nicht gedacht, dass meine militärischen Kenntnisse, die ich in Österreich-Ungarn erworben habe, eines Tages der Sache Frankreichs dienen könnten, was der Fall wäre, wenn es zu einer allgemeinen Mobilisierung kommt. […]

Aus einem Brieg vom 15. April 1939 an Hauptmann Jaques Hartmann

Im Nachgang zu meinem Brief vom letzten Donnerstag bin ich auf das Thema meiner Verwendung im Falle eines bewaffneten Konfliktes zurückgekommen. […] Wenn man mich an einer Vertrauensstelle verwendet, so bin ich sicher, wichtige Dienste der Sache Frankreichs leisten zu können, meiner Wahlheimat. […] Ich habe das sehr bestimmte Gefühl, dass ich nicht warten darf, bis man mich holen kommt, um meine Dienste Frankreich zur Verfügung zu stellen, denn sonst würde man sehr kostbare Zeit verlieren. […]

Aus einem Brieg vom 27. August 1939 an Hauptmann Jaques Hartmann

[…] Was meinen Einsatz betrifft, so lege ich keinen Wert auf Titel oder auf Vergütung. Am besten ist, wenn ich als einfache Zivilperson arbeite, ohne Rang und einem Chef zugeteilt, der sich meiner Arbeit und meiner Ratschläge bedienen würde. Ich kann also sehr gut im Dunklen bleiben, was vorzuziehen wäre, damit es keine Eifersüchteleien gibt.

Aus einem Brieg vom 2. September 1939 an Hauptmann Jaques Hartmann

Am 22. September 1939 wird Rudolf Böhm, wie alle deutschen Staatsbürger interniert. Am 25. Juni 1940 wird er aus einem Anhaltelager in Olargues entlassen. Noch aus dem Lager wendet er sich wieder an Hauptmann Jaques Hartmann mit dem Ersuchen, der französischen Armee dienen zu dürfen.

[…] Denn ich möchte nicht einen Augenblick lang untätig bleiben, wo Frankreich alle braucht, die guten Willens sind. Ich bitte daher um die Möglichkeit, mich nützlich zu machen, durch meine militärischen, industriellen und wissenschaftlichen Fähigkeiten, durch meine organisatorischen Talente oder durch meine Kenntnisse von Sprachen und Ländern. […]

Aus einem Brieg vom 11. Jänner 1940 an Hauptmann Jaques Hartmann

Zu einer Verwendung kommt es nicht mehr, da Frankreich im Juni 1940 vor Hitler-Deutschland kapituliert. Nach der Besetzung Frankreich bzw. der Einsetzung des Marionetten Regimes in Vichy bleibt Rudolf Böhm vorerst von den deutschen Behörden unbehelligt, bis sie auf die inkriminierenden Briefe stoßen.

Am 9. Juni 1943 wird Richard Böhm von der Gestapo in Paris verhaftet und am 1. Juli 1943 nach Wien überstellt, wo ihm der Prozess vor dem Volksgerichtshof wegen ‘Landesverrats und Feindbegünstigung’ gemacht werden soll. In der Hauptverhandlung am 20. Oktober 1944 wird in Ergänzung des Beweisverfahrens beschlossen, sich mit den deutschen Behörden in Frankreich in Kontakt zu setzen, weshalb der Prozess vertagt wird. Aufgrund des Vormarsches der West-Alliierten in Frankreich kommt es aber zu keiner Wiederaufnahme des Prozesses.

Aufgrund der unmittelbar bevorstehenden Befreiung Wiens durch die Rote Armee wird Rudolf Böhm am 6. April 1945 aus der Haft entlassen. Bereits am 15. September 1945 wird er als ‘déporté politique’ durch die französischen Behörden nach Paris zurückgeführt. Er muss feststellen, dass seine Wohnung komplett geplündert wurde. Mühsam schafft er einen Neuanfang und arbeitet bis zur Pensionierung in Paris. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.

In der Pension zieht er in seine Wohnung nach Wien, wo er mit 89 Jahren ledig und kinderlos verstirbt. Er findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Hernals.

Lieux

Lieu de résidence:

Citations

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche

Rudolf Böhm

Geologe
* 5 mai 1889
Miskolcz
† 22 mai 1978
Wien
Responsabilité