Christina Walburga Kobányi (geb. Seidel)

Personalia

Born:

October 8, 1891, Vienna

Died:

May 12, 1977, Vienna

Profession:

Housewife

Persecution:

Haft 19.01.1942 - 21.06.1942

Memberships

Austrian People's Party, ÖVP Comradeship of the politically persecuted and confessors for Austria

Curriculum Vitae

Christina Walburga Seidel kommt in Wien als eheliche Tochter des Postsparkassenangestellten Paul Heinrich Seidel und seiner Gattin Walburga, geborene Schallinger, zur Welt. Über ihre Kindheit und Jugend ist nichts erhalten geblieben.

Am 14. Jänner 1912 heiratet sie den Beamten des Wiener Magistrats Franz Kobányi und wird Hausfrau. Die Ehe bleibt kinderlos. Politisch ist sie nicht aktiv.

Am 12. März 1938 erleben sie und ihr Ehemann, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’. Juden werden im besetzten Österreich von da an diskriminiert und verfolgt. Jene Juden, die es nicht schaffen rechtzeitig zu fliehen bzw. zu emigrieren werden zunehmender Verfolgung ausgesetzt. Mit Ausbruch des II. Weltkrieges wird eine legale Emigration fast unmöglich.

Freunde von Christina Kobányi sind gehören zu jenen Juden, die nicht rechtzeitig flüchten konnten. Christina Kobányi möchte ihnen helfen und organisiert über die ihr bekannt Wirtin Rosa Gering eine professionelle Schlepperbande um das Ehepaar Siegfried und Margarete Morgenstern und Hedwig Orthoni über Kärnten in den Unabhängigen Staat Kroatien (NDH) zu schmuggeln. Die Schlepper verlangen 2.000 RM pro Person.

Was Christina Kobányi nicht weiß, ist dass die Schlepperbande mit der Gestapo zusammenarbeitet und Juden nach Kärnten bringt und dann der Gestapo ausliefert, in der Hoffnung ihnen noch das letzte Geld abzunehmen. Am 13. Jänner 1942 werden das Ehepaar Siegfried und Margarete Morgenstern und Hedwig Orthoni in Villach von der Gestapo verhaftet. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Christina Kobányi wird am 19. Jänner 1942 in Wien von der Gestapo verhaftet. Die Gestapo verhaftet aber auch die Schlepperbande, da sich diese persönlich finanziell bereichert hatten. Christina Kobányi ist bis 21. Juni 1942 in Untersuchungshaft und wird dann auf freien Fuß gesetzt.

In einem Prozess vor dem Landesgericht Wien wird sie am 10. September 1942 wegen des Vorwurfs 'Juden bei der beabsichtigten Überschreitung der Reichsgrenze durch Rat und Tat Hilfe geleistet zu haben' zu vier Monaten Haft verurteilt. Die Haft gilt unter Anrechnung der Untersuchungshaft als verbüßt. Aus den Prozessakten geht eindeutig hervor, dass sie nicht von den unredlichen Absichten der Schlepper wußte, sich nicht bereicherte, sondern aus edlen und ehrlichen Motiven handelte.

In Wien erlebt Christina Kobányi im April bzw. Mai 1945 die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Sie tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.

Christina Kobányi verstirbt mit 85 Jahren in Wien.

Places

Residence:

Citations

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Matricula Online

Christina Kobányi

Housewife
* October 8, 1891
Vienna
† May 12, 1977
Vienna
Detention