Dr. David Ernst Oppenheim

Personalia
Born:
Died:
Profession:
Persecution:
KZ Theresienstadt 20.08.1942 - 18.02.1943,
Ermordet am 18.02.1943
Memberships
Curriculum Vitae
David Ernst Oppenheim kommt in Brünn in Mähren [heute: Brno in Tschechien] als ehelicher Sohn des Sekretärs der Israelitischen Kultusgemeinde, Rabbi Joachim Heinrich Oppenheim und seiner Gattin Ernestine, geborene Kaufmann, zur Welt. Er kommt aus einer Familie, deren Vorfahren seit Generationen Rabbiner sind. Nach der Volksschule in Brünn besucht er das I. deutsche k.k. Gymnasium in Brünn, wo er 1899 maturiert. Noch im gleichen Jahr zieht er nach Wien zu seiner Tante und inkribiert er Philosophie, Pädagogik und Alte Geschichte an der Universität Wien. Er belegt auch eine Vorlesung von Sigmund Freud und promoviert 1905.
1906 heiratet er Amalie Pollak und wird nach seinem Probejahr an das Gymnasium nach Nikolsburg [heute: Mikulov in Tschechien] geschickt, wo seine Tochter Kora Renta Oppenheim zur Welt kommt. 1909 tritt er eine Stelle als Gymnasiallehrer am Akademischen Gymnasium im 1. Wiener Gemeindebezirk an. Neben seiner Lehrtätigkeit betreibt er wissenschaftliche Studien in Psychologie, um das 'Geheimnis der Menschenseele' zu erforschen. Im Jänner 1910 wird er Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV). Als es zum Bruch mit Freud kommt, verlässt er mit Alfred Adlers Anhängern im Oktober 1911 die WPV und wird Gründungsmitglied der neuen tiefenpsychologischen Schule der Individualpsychologie.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird David Ernst Oppenheim eingezogen und an der russischen Front bereits am 19. Oktober 1914 verletzt. Er kehrt an die Front am 12. März 1915 zurück und wird in weiterer Folge ab 1. Juli 1916 an der Isonzo-Front in Italien eingesetzt und kämpft in der 6. Isonzo-Schlacht. Der inzwischen zum Oberleutnant avancierte David Ernst Oppenheim wird im November 1917 aufgrund seiner Kriegsverletzungen als untauglich für den Frontdienst eingestuft und zum Bürodienst in der Zensurabteilung des Militärs abgestellt.
Im November 1918 erlebt David Ernst Oppenheim die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg. Als Hauptmann mustert er ab und kehrt zurück nach Wien, wo er seine Lehrtätigkeit wieder aufnimmt. Er entwickelt sich immer mehr zum überzeugten Pazifisten, tritt noch 1918 der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) [heute: SPÖ] bei und blieb bis zu deren Verbot 1934 aktives Mitglied. 1919 kommt seine zweite Tochter Doris Oppenheim zur Welt. In den 1920er Jahren ist er im Verein für Individualpsychologie aktiv. Seine Zusammenarbeit mit Alfred Adler dauert bis 1930.
Am 12. März 1938 erlebt David Ernst Oppenheim, wie mit dem Einmarsch das freie und unabhängige Österreich untergeht.
Dr. Oppenheim erwartete die SS-Lausbuben (blutjunge Kerle, wie er sie mir nachher schilderte), die seine Wohnung im März 1938 überfielen, in seiner Uniform als Hauptmann der k.u.k. Armee. Die Buben rissen ihm die Kriegsauszeichnungen von der Brust.
Während seine beiden Töchter, die inzwischen verheiratete Kora Renata Singer und Doris Oppenheim nach Australien emigrieren, weigern sich Amalie und David Ernst Oppenheim, trotz zureden verschiedener Bekannter und Freunden, zu emigrieren.
Ich sagte zu ihm: Herr Professor, ich bitte Sie, ja, ich beschwöre Sie, verlassen Sie dieses Land, denn Sie sind an Ihrem Leben bedroht. Und da werde ich seine Reaktion nie vergessen. Er hat liebevoll gelacht… "Aber Ringel, was glauben Sie denn, wo denken Sie denn hin. Mit kann doch überhaupt nichts passieren. Ich habe für dieses Land mein Leben riskiert. Ich habe das Goldene Tapferkeitsabzeichen. Ich habe das Verwundetenabzeichen. Ich habe alles für dieses Land gegeben. Mir können sie nichts machen." Und so bin ich ohne Erfolg abgezogen, und was ich aber nicht wußte, war, dass zwei meiner Schulkameraden, Herbert Christian und Peter Schramke, unabhängig von mir sogar zweimal bei ihm waren und ihm in demselben Sinne beschworen haben. Aber es war nichts zu machen.
Zuerst werden in weiterer Folge neben David Ernst und Amalie Oppenheim acht Juden zwangsuntergebracht. 1942 müssen sie ihre Wohnung verlassen und in eine Durchgangswohnung für Juden, einige Straße weiter, in der Förstergasse 7 im 2. Wiener Gemeindebezirk übersiedeln.
Am 20. August 1942 werden sie mit dem Transport mit der Nummer 8 in das KZ Theresienstadt deportiert. Der Diabetiker David Ernst Oppenheim leidet unter den katastrophalen hygienischen Umständen im Konzentrationslager. Ihm wird zum einen das lebensrettende Insulin verweigert, zum anderen erkrankt er an einer chronischen Diarrhöe. Er verstirbt am 18. Februar 1943 im KZ Theresienstadt. In einem Brief an Verwandte schreibt Amalie Oppenheim später, ihr Ehemann starb 'an seiner alten Krankheit und der schweren Theresienstädter Krankheit'. (Als Theresienstädter Krankheit wurde chronische Diarrhöe bezeichnet.)
Amalie Oppenheim überlebt das Konzentrationslager und zieht nach der Befreiung Österreichs zu ihren Töchtern nach Australien.
Places
Residence:
Location:
Citations
Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus (2018): Erinnerungen. Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus (Wien) S.90-139.
Archiv der Universität Wien
Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/David_Ernst_Oppenheim
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